Desinfektionsmittel im Überblick: Welches Mittel wofür – und was sonst noch dazugehört

Irgendwo zwischen dem dritten Kunden oder Bewohner / Patient  und dem nächsten Termin passiert es: Das Desinfektionsmittel wird kurz aufgesprüht, die Fläche mit dem Tuch drüber, fertig. Erledigt. Weiter.

Das Problem: In vielen Betrieben läuft Desinfektion genau so ab. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil niemand erklärt hat, worauf es wirklich ankommt. was vor der Desinfektion passieren muss, welche Produkte für welchen Zweck genutzt und welche Produkte für Ihren Betrieb überhaupt sinnvoll sind.

Das holen wir hier nach, kompakt, praxisnah und ohne Fachjargon.

Reinigen und Desinfizieren: Nicht dasselbe

Bevor wir zu den Mitteln kommen, ein Punkt, der häufig unterschätzt wird.

Reinigen und Desinfizieren sind zwei verschiedene Schritte und sie ersetzen sich nicht gegenseitig. Wo ist der Unterschied?
Reinigung entfernt sichtbaren Schmutz, Fett und organische Rückstände.

Desinfektion tötet Krankheitserreger ab.

Das Problem: Desinfektionsmittel wirken schlechter auf verschmutzten Oberflächen. Wer die Reihenfolge dreht oder einen der Schritte weglässt, kann nicht sicher sein, dass die Desinfektion wirklich greift.

Die wichtigsten Typen

Nicht jedes Desinfektionsmittel ist für jeden Einsatz geeignet. Ein kurzer Überblick über die Hauptkategorien:

Beispiel-Produktbild Handdesinfektionsmittel

Händedesinfektionsmittel sind unverzichtbar überall dort, wo direkter Kontakt mit Menschen stattfindet, in der Pflege, im Tattoo-Studio, in der Arztpraxis. Wichtig beim Anwenden: ausreichend viel Mittel in die Handfläche geben und einreiben, bis die Hände vollständig trocken sind.

Nicht abwischen, nicht abkürzen und unbedingt die Einwirkzeit beachten!

Flächendesinfektionsmittel kommen auf Arbeitsflächen, Tische, Türklinken, Behandlungsliegen usw. zum Einsatz. Achten Sie auch hier auf die Einwirkzeit und die Materialverträglichkeit. Prüfen Sie zudem die Vorschriften für Hygiene vom RKI oder Gesundheitsamt für Ihren Betrieb: dort finden Sie meist genauere Informationen, welche Mittel Sie verwenden müssen.

Beispiel-Produktbild Flächendesinfektionsmittel
Beispiel-Produktbild Desinfektionsmittel

Instrumentendesinfektion: Wenn Sie Geräte oder Instrumente mit Haut- oder Schleimhautkontakt nutzen, reichen gewöhnliche Flächendesinfektionsmittel nicht aus. Hier helfen Instrumentendesinfektionsmittel. Achten Sie dabei aber unbedingt auf Materialverträglichkeit!

Konzentrat oder gebrauchsfertig?

Wenn Sie Desinfektionsmittel einkaufen, stellt sich auch die Frage nach der Anwendung: Konzentrat in großen Kanistern oder Einmalprodukte wie vorgetränkte Wipes?

Die Antwort: Konzentrat kann sich zwar lohnen, wenn Sie einen großen Betrieb mit viel Verbrauch haben (z.B. ein Krankenhaus oder ein großes Altenheim). Allerdings müssen Sie bzw. Ihre Angestellten dann das Desinfektionsmittel aus dem Konzentrat selbst ansetzen.

Das ist bestenfalls  Mehrarbeit, schlimmstenfalls eine Fehlerquelle. Dass das Gesundheitswesen mit Personalmangel und Überarbeitung zu kämpfen hat, wissen Sie im Zweifel selbst. Sie können sich wahrscheinlich auch vorstellen, was passiert, wenn Ihre Angestellten gerade von einer Patientenvisite zur nächsten eilen und zwischendurch noch schnell ausrechnen müssen, wie viel denn 2% aus einem 5l-Kanister sind und das dann auch noch selbst ansetzen müssen. 

Wir empfehlen daher für die meisten Anwender Einmal-Wipes oder Desinfektionstücher zur Flächendesinfektion. Diese sind gebrauchsfertig, einfach und stressfrei zu benutzen. Auch für Anwender außerhalb des Gesundheitsbetriebes, also Gastronomie, Solarien, Tattoostudios usw. sind Wipes oder Tücher die beste Wahl. Sie funktionieren sowohl auf dem OP-Tisch als auch auf der Pommesbudentheke. 

Produktbild Einmal-Desinfektionswipes  von der Marke Dr. Deppe

Viruzid, bakterizid, fungizid: Was bedeutet das?

Auf vielen Produkten stehen Begriffe wie „bakterizid“ oder „begrenzt viruzid“. Wer nicht weiß, was das bedeutet, greift schnell zum falschen Mittel. Dabei ist es gar nicht kompliziert.

Bakterizid bedeutet, dass das Mittel Bakterien abtötet. Das ist die Grundanforderung an jedes Desinfektionsmittel und in der Regel bei allen gängigen Produkten gegeben.

Fungizid bedeutet wirksam gegen Pilze. Relevant zum Beispiel in Pflegebetrieben, Umkleideräumen oder der Gastronomie, überall dort, wo Feuchtigkeit und Wärme zusammenkommen und Schimmelpilze oder Hautpilze begünstigt werden.

Begrenzt viruzid bedeutet, dass das Mittel gegen behüllte Viren wirkt, also Erreger wie Influenza, Coronaviren oder das HI-Virus. Für viele Betriebe reicht das aus. Es greift aber nicht unbedingt bei unbehüllten Viren wie Noroviren oder Adenoviren. 

Voll-Viruzid bedeutet vollständige Wirksamkeit gegen alle Viren, behüllte wie unbehüllte. Das ist der höchste Standard und die ulitmative Wirkung.

Begrenzt viruzid oder voll viruzid?

Voll viruzide Mittel sind gegen alle Viren wirksam, Sie sind also mit Ihnen immer auf der sicheren Seite. Aber: Voll viruzide Mittel sind meist teurer und haben einen höhere Materialbelastung. Zudem sind sie aggressiver als begrenzt viruzide Mittel. Sie können also einfacher Oberflächen (dazu gehört im Übrigen auch Ihre Haut!) beschädigen. 

Unser Tipp: Halten Sie Vollviruzide Mittel immer auf Vorrat, aber setzen Sie sie nicht für Routine-Desinfektionen ein. Sobald ein Ausbruch eintritt, sind Sie dann sofort handlungsfähig. Gerade wenn Sie schnell handeln müssen, wie z.B. bei Norovirus-Ausbrüchen, ist das wichtig. Viren halten sich meist nicht an Öffnungs- und Lieferzeiten. Wenn also auf einem Sonn- oder Feiertag ein Ausbruch stattfindet, stehen Sie ohne Vorrat sehr dumm da. Aus genau diesen Gründen kann das RKI Ihnen auch, je nach Betrieb, die Lagerhaltung von voll viruziden Desinfektionsmitteln vorschreiben. Konsultieren Sie also in jedem Fall die Hygienevorschriften für Ihre Branche oder die Hygienepläne Ihrer Einrichtung!

Was sonst noch dazugehört: Zubehör

Desinfektionsmittel allein machen noch kein funktionierendes Hygienekonzept. Rund um das Mittel selbst gibt es eine Reihe von Produkten, die dafür sorgen, dass Desinfektion sicher und wirksam abläuft und die im Betriebsalltag oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.

Schutzhandschuhe gehören beim Umgang mit Desinfektionsmitteln zur Grundausstattung. Nicht nur zum Schutz vor Erregern, sondern auch, weil viele Mittel Haut und Schleimhäute reizen, besonders bei regelmäßigem Kontakt ohne Schutz. Wichtig: Einweghandschuhe nach jeder Anwendung wechseln, nicht mehrfach verwenden.

Beispiel-Produktbild Nitril-Schutzhandschuhe
Beispiel-Produktbild Desinfektionsspender

Spender und Dosierhilfen sind enorm wichtig. Ob Wand- oder Tischspender für Händedesinfektion oder Dosierhilfen für Flächen, eine richtige Dosierung verhindert sowohl Über- als auch Unterdosierung und sorgt dafür, dass Mittel nicht verunreinigt werden.

Hautpflegeprodukte gehören für alle, die häufig desinfizieren, zum Alltag. Denn: Regelmäßige Desinfektion trocknet die Haut aus. Pflegecreme in Kombination mit konsequenter Händedesinfektion ist daher Standard in gut aufgestellten Betrieben.

Beispiel-Produktbild Handpflegecreme

Die  häufigsten Fehler beim Desinfizieren

1. Die Einwirkzeit wird nicht eingehalten. Das ist der Fehler, der am häufigsten passiert und am folgenreichsten ist. Desinfektionsmittel brauchen Zeit, um zu wirken. Wer nach zehn Sekunden nachwischt oder die Fläche zu schnell wieder benutzt, hat zwar das Gefühl desinfiziert zu haben.

2. Das falsche Mittel wird eingesetzt. Flächendesinfektionsmittel auf der Haut, Händedesinfektionsmittel auf Instrumenten. Das passiert öfter als man denkt, meistens, weil im Stress nicht lange nachgedacht wird. Ein klar beschrifteter, strukturierter Arbeitsplatz mit den richtigen Mitteln am richtigen Ort löst dieses Problem fast von selbst.

Auf einen Blick: Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Nicht jedes Mittel, das „desinfizierend“ draufsteht, hält, was es verspricht. Einige Orientierungspunkte für die Auswahl:

Produkte, die auf der VAH-Liste oder DVG-Liste geführt sind, haben ihre Wirksamkeit in anerkannten Prüfverfahren nachgewiesen. Das ist ein verlässlicher Anhaltspunkt.

Achten Sie auf das Wirkungsspektrum. Je nach Betrieb brauchen Sie ein Mittel, das alle Bereiche abdeckt oder gezielt einzelne. Wer unsicher ist, welcher Standard für den eigenen Betrieb gilt, findet Orientierung in den jeweiligen Hygienevorschriften für seine Branche.

Konzentrate lohnen sich ab einem gewissen Verbrauch, weil sie günstiger im Einkauf und platzsparender in der Lagerung sind. Gebrauchsfertige Lösungen sind für kleinere Teams oder wechselnde Anwender oft die praktischere Wahl, weil Dosierfehler wegfallen.

Fazit

Desinfektion funktioniert, wenn sie richtig angewendet wird. Das bedeutet: das richtige Mittel, in der richtigen Reihenfolge, mit den richtigen Begleitprodukten und genug Zeit zum Wirken.

Wer das einmal sauber aufgesetzt hat, merkt schnell: Es ist kein zusätzlicher Aufwand. Es ist einfach ein reibungsloser Ablauf, der sitzt.

Sie sind unsicher, welche Produkte für Ihren Betrieb passen? Sprechen Sie uns an, wir schauen uns Ihren Bedarf gemeinsam an und empfehlen, was wirklich Sinn ergibt. Kontaktieren Sie uns einfach unter

Tel. 0 29 53 – 96 55 033

Fax 0 29 53 – 96 55 036

Montag bis Donnerstag, 08:00 – 16:00 Uhr und Freitags von 8.00 bis 14.00 Uhr

oder unter info@vidalis.de

Ähnliche Beiträge